Erfolg­rei­cher Abschluss des Base-Lipid-Pro­jekts zu Lipid-Nano­par­ti­keln (LNP)

Erfolg­rei­cher Abschluss des Base-Lipid-Pro­jekts zu Lipid-Nano­par­ti­keln (LNP)

Der Nut­zen von Ribo­nu­kle­in­säu­ren (RNA) als Medi­ka­men­ten-Wirk­stof­fen, die in Lipid-Nano­par­ti­keln (LNP) ver­kap­selt wer­den, ist enorm. Basie­rend auf die­ser Tech­no­lo­gie könn­ten eine Viel­zahl neuer The­ra­pien ent­wi­ckelt wer­den. Um das volle Poten­zial die­ser Wirk­stoffe nut­zen zu kön­nen, sind zur Erleich­te­rung des Zell­ein­tritts bes­sere Ver­pa­ckun­gen der RNAs durch neu­ar­tige Lipide erfor­der­lich, um sta­bi­lere, sichere, sowie bio­lo­gisch abbau­bare Wirk­stoff­ve­hi­kel (Trä­ger­sub­stan­zen) zu erhal­ten, wel­che idea­ler­weise ziel­si­cher den Erkran­kungs­herd errei­chen. Mit die­sem Anspruch hat sich der For­schungs­ver­bund BASE-Lipid gegrün­det, wel­cher vom Bun­des­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft und Ener­gie (BMWE/BMWK) mit einer Gesamt­summe von 13 Mil­lio­nen € geför­dert wurde. Das Kon­sor­tium ver­eint die Exper­ti­sen der Fried­rich-Schil­ler-Uni­ver­si­tät Jena und der Julius-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Würz­burg, dem Start-Up NGP Poly­mers aus Jena, dem Unter­neh­men ISAR Bioscience und der Groß­in­dus­trie mit Evo­nik AG und Bayer AG.

Dazu wur­den ent­spre­chende Syn­the­se­schritte inklu­sive der not­wen­di­gen Ana­ly­tik erforscht und wei­ter­ent­wi­ckelt, um neue Lipide und Poly­mere in ent­spre­chen­der Qua­li­tät und aus­rei­chen­der Rein­heit und Menge her­stel­len und über­prü­fen zu kön­nen. Es wur­den auch neue Kom­bi­na­tio­nen aus Kern­bau­stei­nen und Lipi­den („Oli­go­nu­kleo­tid-Lipid-Kon­ju­gate“) erschaf­fen. Dies war die Grund­lage, um im nächs­ten Schritt über Tau­send unter­schied­li­che For­mu­lie­run­gen für mRNA-Lipid-Nano­par­ti­kel zu gene­rie­ren. Um die schiere Menge an Her­stel­lungs­mög­lich­kei­ten für Lipide und Poly­mere sowie die Kom­bi­na­to­rik zu LNP beherrsch­bar zu hal­ten, setzte das Kon­sor­tium auf ein ite­ra­ti­ves Ver­fah­ren. So konn­ten durch die Rück­schlüsse mit Erkennt­nis­sen der vor­an­ge­gan­ge­nen Syn­these- und For­mu­lie­rungs­run­den die Ent­wick­lungs­rich­tun­gen der nächs­ten Run­den gesteu­ert bzw. ver­bes­sert wer­den. Die erzeug­ten LNP wur­den detail­liert cha­rak­te­ri­siert und unter ande­rem auf ihre Sta­bi­li­tät, Expres­sion und Toxi­zi­tät getes­tet. Über­le­gene Eigen­schaf­ten gegen­über den Stan­dards von Comirnaty/Spikevax (BioNTech/Moderna) waren ent­schei­dende Kri­te­rien für die nächs­ten Iterationsschritte.

Um ein mög­lichst brei­tes Bild der Beson­der­hei­ten der jewei­li­gen LNPs zu erhal­ten, wur­den diese unter ande­rem in mensch­li­chen aus­dif­fe­ren­zier­ten Zel­len, z. B. Herz­mus­kel-, Blut­ge­fäß­wand- und ver­schie­de­nen Immun­zel­len oder Zel­len des zen­tra­len Ner­ven­sys­tems (ZNS), sowie auch in Co-Kul­tu­ren unter­sucht. Dadurch konnte zum einen eine sehr gute Repro­du­zier­bar­keit der Ergeb­nisse erreicht wer­den, zum ande­ren wur­den damit viele Tier­ver­su­che ersetzt und somit gänz­lich ver­mie­den. Anhand der ent­spre­chen­den Expres­si­ons­pro­file konn­ten unter ande­rem neue LNP iden­ti­fi­ziert wer­den, die eine deut­lich stär­kere Ziel­ex­pres­sion im Her­zen (Kar­dio­myo­zy­ten) oder im ZNS/Gehirn ermög­li­chen. Einige der neuen LNP wie­sen auch bes­sere Ziel­ge­webs-Errei­chung des ZNS auf - eine ent­schei­dende Vor­aus­set­zung für die zukünf­tige Ver­wen­dung als Medi­ka­mente im ZNS.

Ein wei­te­rer Mei­len­stein im Pro­jekt war die Ent­de­ckung von immuno-modu­lie­ren­den LNP-For­mu­lie­run­gen. Diese beein­flus­sen Immun­zel­len von Pati­en­ten mit Auto­im­mun-Erkran­kun­gen güns­tig durch Ver­bes­se­run­gen der kör­per­ei­ge­nen ent­zünd­li­chen Immun­re­ak­tio­nen. Dar­über hin­aus konnte gezeigt wer­den, dass poten­ti­elle Poly­ethy­len­gly­kol (PEG)-assoziierte Immun­re­ak­tio­nen der gene­rel­len Bevöl­ke­rung unter Ver­wen­dung von Poly­ox­azo­lin-Lipi­den (POx-Lipi­den) statt der bis­her ver­wen­de­ten PEG-Lipi­den als Stan­dard-Inhalts­stoffe ver­mie­den wer­den kön­nen. Dies ermög­licht eine weit­rei­chende Ver­bes­se­rung der (Patienten-)Sicherheit bei Gabe von LNP-Medi­ka­men­ten, vor allem im Hin­blick auf wie­der­holte Dosie­rung oder Dauermedikation.
Zu die­sen neuen LNP-For­mu­lie­run­gen wur­den die erfor­der­li­chen Doku­mente für eine (prä-)klinische Wei­ter­ent­wick­lung bei einem „Sci­en­ti­fic Advice“-Treffen den Zulas­sungs­agen­tu­ren Paul-Ehr­lich-Insti­tut (PEI) und BfArM vor­ge­legt, wodurch eine klare Pla­nung der nächs­ten Schritte für Ver­wen­dun­gen als Medi­ka­mente ermög­licht wird. Das Ziel der Kon­sor­ti­al­part­ner ist, diese Ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen, um in naher Zukunft Pati­en­ten erste Medi­ka­men­ten­kan­di­da­ten zur Ver­fü­gung stel­len zu können.

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