Grü­nes Licht für die Opti­mie­rung neuer Immuntherapien

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Grü­nes Licht für die Opti­mie­rung neuer Immuntherapien

Mit mensch­li­chen Immun­zel­len Auto­im­mun­krank­hei­ten und Krebs effi­zi­ent bekämp­fen: Die­ser Vision rückt die Medi­zin mit neuen Ver­fah­ren der ISAR Bioscience GmbH ein Stück näher. Die Kon­zepte des baye­ri­schen For­schungs­un­ter­neh­mens für eine zügige, ver­läss­li­che und zugleich wirt­schaft­li­che Her­stel­lung the­ra­peu­ti­scher Abwehr­zel­len wur­den jetzt von der deut­schen Zulas­sungs­be­hörde posi­tiv bewer­tet. Das Paul-Ehr­lich-Insti­tut (PEI) schätzt das Ver­fah­ren als chan­cen­reich ein – und gibt damit grü­nes Licht für die wei­tere Ent­wick­lung bei ISAR Bioscience.

Von zen­tra­ler Bedeu­tung sind dabei soge­nannte C(A)ART-Zellen. Die Abkür­zung steht für Chi­märe (Auto) Anti­gen-Rezep­tor-Zel­len und damit für einen viel­ver­spre­chen­den The­ra­pie­an­satz, der die Kampf­be­reit­schaft kör­per­ei­ge­ner Immun­zel­len (T-Zel­len) gegen schwere Erkran­kun­gen wie Krebs, aber auch bei Auto­im­mun­krank­hei­ten stär­ken soll.

Die Vor­be­rei­tung der hoch­gra­dig per­so­na­li­sier­ten The­ra­pie ist auf­wän­dig und dau­ert meh­rere Wochen. Zunächst wer­den T-Zel­len aus wei­ßen Blut­kör­per­chen einer Pati­en­tin oder eines Pati­en­ten gewon­nen. Im Falle einer Krebs­er­kran­kung wer­den diese soge­nann­ten auto­lo­gen Zel­len dann im Labor gen­tech­nisch so ver­än­dert, dass sie Tumor­zel­len im Kör­per erken­nen und ver­nich­ten kön­nen. Schließ­lich erhal­ten die Erkrank­ten „ihre“ gezielt opti­mier­ten Zel­len per Infu­sion zurück. In Deutsch­land ist die noch sehr teure The­ra­pie bereits bei bestimm­ten Leuk­ämien und Lym­pho­men zugelassen.

Ein deut­lich schnel­le­res und kos­ten­güns­ti­ge­res Vor­ge­hen ver­spricht eine neue Tech­no­lo­gie­platt­form bei ISAR Bioscience. Dabei wer­den Stamm­zel­len per Geno­me­di­tie­rung ver­än­dert, um eine mög­li­che krank­hafte Auto­im­mun­re­ak­tion gegen kör­per­ei­ge­nes Gewebe zu ver­rin­gern. Anschlie­ßend wer­den die behan­del­ten Stamm­zel­len zur dau­er­haf­ten Erzeu­gung von the­ra­peu­ti­schen „kampf­be­rei­ten“ chi­mä­ren T-Zel­len genutzt. Die neue Platt­form erlaubt die seri­en­mä­ßige Fer­ti­gung stan­dar­di­sier­ter Zell­char­gen, die län­ger­fris­tig immer wie­der ver­wen­det wer­den kön­nen. Dadurch, so die Erwar­tung, wer­den die Behand­lungs­kos­ten im Ver­gleich zu heu­ti­gen kli­nisch zuge­las­se­nen auto­lo­gen CART-Zell­the­ra­pien deut­lich sinken.

Eine zweite Neue­rung soll es ermög­li­chen, dass T-Zel­len auch bei Auto­im­mun­krank­hei­ten ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Das sol­len CAART-Zel­len ermög­li­chen. Das zweite A in die­ser Abkür­zung steht für Auto-Anti­gen: Das sind kör­per­ei­gene Pro­te­ine, die vom eige­nen Immun­sys­tem ange­grif­fen wer­den. Mit CAART-Zel­len soll die­ser Angriff unter­drückt wer­den. Als erste Erkran­kung wol­len die For­scher bei ISAR Bioscience die durch Anti­kör­per aus­ge­löste Über­funk­tion der Schild­drüse ange­hen. Aber auch wei­tere Krank­hei­ten, zum Bei­spiel rheu­ma­ti­sche Erkran­kun­gen, könn­ten einer sol­chen The­ra­pie zugäng­lich sein.

Das baye­ri­sche For­schungs­un­ter­neh­men hat sich auf die Her­stel­lung maß­ge­schnei­der­ter Stamm­zel­len spe­zia­li­siert und will medi­zi­ni­sche For­schung zügig zur Anwen­dung brin­gen. Das ermu­ti­gende Signal für die neue Tech­no­lo­gie­platt­form zur Ver­wen­dung huma­ner plu­ri­po­ten­ter Stamm­zel­len (hiPSC) für die Erzeu­gung the­ra­peu­ti­scher Immun­zel­len ist das Ergeb­nis eines „Sci­en­ti­fic Advice“-Treffens, das kürz­lich mit dem Paul-Ehr­lich-Insti­tut stattfand.

Mit der posi­ti­ven Eva­lua­tion ver­bun­den ist eine Bera­tung durch das PEI bei der Wei­ter­ent­wick­lung der Platt­form. Dabei geht es etwa um die Erzeu­gung einer Mas­ter Cell Bank (MCB) in den Labo­ren von ISAR Bioscience am Unter­neh­mens­stand­ort Plan­egg bei Mün­chen. Die geplante MCB wird eine kon­ti­nu­ier­li­che Zell­pro­duk­tion gemäß „Guter Her­stel­lungs­pra­xis“ (GMP) ermög­li­chen. Spe­zi­fi­ka­tio­nen für die Frei­gabe der MCB haben ISAR Bioscience und PEI bereits gemein­sam defi­niert. Wei­tere prä­kli­ni­sche Stu­dien sind in Vor­be­rei­tung. Danach sind toxi­ko­lo­gi­sche Tests vor­ge­se­hen und nach deren Abschluss kli­ni­sche Tests am Menschen.

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen: https://www.pei.de/DE/home/home-node.html